Geschichte von Boxbrunn

Die Boxbrunner Höhe stellt einen flachen, langgezogenen Bergrücken dar, der sich bis zu 506 m über dem Meeresspiegel erhebt. Inmitten der waldumsäumten Hochfläche liegt das kleine Dörflein Boxbrunn und unweit davon der Neidhof. Die westliche Grenze der Gemeindeflur ist auf einer Strecke von drei km zugleich bayerisch-hessiche Landesgrenze. Wie ein breites Band zieht die Bundesstraße 47 zwischen Äckern und Wiesen über die Berghöhe und schließt den Ort über Amorbach (10 km) und Michelstadt, Erbach (13 km) an den großen Verkehr an. Den ehrwürdigen Namen „Nibelungenstraße" führt diese in der Reisezeit vielbefahrene Rhein-Main-Linie vermutlich wohl deshalb, weil der Sage nach der Wormser Königshof mit seinen Gästen im Odenwald jagte.

 

Boxbrunn hat eine lange und leidvolle Geschichte. Die zu Beginn des 8. Jahrhunderts gegründete Benediktiner-Abtei Amorbach leitete die Besiedlung der Odenwaldhöhen ein. Einer Sage nach könnte der Ortsname aus einer simplen Jagdgeschichte stammen, die die Namen Bock (=Rehbock) und Brunnen (=Quelle) zueinander in Beziehung setzt. Einige Anhaltspunkte sprechen jedoch dafür, daß der Ortsname von einer Quelle herrühren könnte, die heute als „Bosenbrunnen" bezeichnet wird. Sie ist die einzige Quelle auf der Berghöhe, die einen Namen führt und liegt dort, wo die ersten Siedlungen waren. Vor ca. 200 Jahren wurde urkundlich erwähnt, daß sie „die einzige Tränke für das Hornvieh sey".

 

Die älteste bekannte Urkunde, die den Namen erwähnt, stammt aus dem Jahre 1361: Burggraf Conrad Rüde zu Wildenberg und seine Frau Gude schenkten „Ihres Seelenheiles wegen" dem Spital zu Amorbach ein Drittel des Zehnten zu Boxprunne. Eine andere Urkunde erwähnt 1395 Boxbronn.

 

In der Pestzeit und im 30jährigen Krieg war das Dorf fast vollkommen ausgestorben. Im Jahr 1634 hauste in den Odenwalddörfern Ohrnbach und Boxbrunn die Pest. Aus dieser Notzeit heraus wurde 90 Jahre später ein Bildstock mit dem Bild der heiligen Familie gesetzt. Aber auch im 30jährigen Krieg gab es manche Drangsal für die Boxbrunner: Plünderungen, Brandschatzungen, Hunger, Schändungen und Krankheiten.

 

Bis zum Jahr 1803 waren die Höfe in Boxbrunn Eigentum des Klosters. Nach der Säkularisation gingen sie in den Besitz des Fürsten zu Leiningen über. Nach der Bauernbefreiung wurden sie 1848 Eigentum der sie bewirtschaftenden Bauern.

 

Boxbrunns Gemarkung umfaßt insgesamt 1200 Hektar. Die Gemarkung des Höhendorfes reicht bis unmittelbar vor Amorbach. Fast der gesamte Amorbach überragende Wolkmannberg mit dem Neidhof und dem Otterbacher Tal samt dem Weiler gehörte zu Boxbrunn. Von den 1200 Hektar Gemarkungsfläche sind etwa 780 Hektar Wald.

 

Bis zu Jahre 1973 war Boxbrunn eine selbständige Gemeinde. Nach dem Tod des Bürgermeisters Richard Stier, der 25 Jahre lang die Geschicke der Höhengemeinde leitete, wurde Boxbrunn im Rahmen der Gebiets- und Gemeindereform zu Amorbach eingemeindet. Seit dem 01.04.1973 ist Boxbrunn ein Stadtteil von Amorbach.

 

Das ehemalige Schulgebäude neben der Kirche ist heute ein Unterkunftshaus der Viernheimer Walldürnwallfahrer.

 

 

Zeitzeugenbericht

Das Ende des 2. Weltkrieges in Boxbrunn

Die Amerikaner, die 1945 in Boxbrunn einmarschiert waren, richteten ihr Hauptquartier im Gasthof „Bayerischer Hof" ein. Sie ließen ebenso mehrere Häuser räumen, um ihre Soldaten unterzubringen, nachdem auch die Deutschen ihre Soldaten und ihr Hauptquartier im Gasthaus eingerichtet hatten. Die US-Kampfflugzeuge schossen bei einem Angriff in die Wirtschaft, da sie zuvor gesehen hatten, wie Deutsche Soldaten im Hof lagerten. Zu dieser Zeit war die Zeitzeugin in der Wirtschaft als Magd angestellt und erlebte alles hautnah mit. Der einzige Tote im ganzen Krieg, der im Ortsbereich von Boxbrunn gefallen war, ist bei einem Angriff von amerikanischen Jagdflugzeugen gefallen. Ebenso wurde kein einziges Gebäude zerstört, so dass nach dem Ende des Krieges sofort wieder Gottesdienste gehalten werden konnten. Der Pfarrer musste mit einem Pferdegespann von Amorbach geholt werden, da es damals noch keine Autos gab, zumindest konnte sich in Boxbrunn keiner eines leisten.

 

Die US-Soldaten setzten den alten Bürgermeister August Herkert ab und setzten August Trunk ein, der von den Einwohnern selbst gewählt wurde. Der alte Bürgermeister blieb nach einem Verhör in Boxbrunn. Im Zusammenhang mit der Entnazifizierung mussten die Bewohner von Boxbrunn keinerlei Fragebögen ausfüllen.

 

Nach dem Krieg kamen zwischen 40 und 50 Flüchtlinge nach Boxbrunn. Diese trugen meist nur einen Rucksack und eine Tasche bei sich, in denen sie ihre Kleider mitbrachten, welche sehr alt und nicht gerade intakt war. Zu dieser Zeit lebten etwa 90 -100 Personen in Boxbrunn. Es waren vorwiegend Personen, die aus den östlichen Ländern (hauptsächlich Tschechen, Schlesier, Rumänen und Ostdeutsche) geflohen waren. Das Verhältnis zwischen Flüchtlingen und „Einheimischen" war sehr gut, da die Flüchtlinge ausnahmslos gut arbeiteten, und keinerlei Streitigkeiten verursachten. Eine Frau mit einem jungen Kind ist bei unserer Zeitzeugin, die damals noch unverheiratet war, einquartiert worden, zog aber bald weiter, wie fast alle anderen, zum Beispiel nach Laudenbach, Erbach und Michelstadt, da man in Boxbrunn kein Geld verdienen konnte, und somit keine eigene Existenz errichten konnte. Einige blieben aber auch hier. Ein bleibender Flüchtling war Herr Dacho, der nach Erscheinen der Zeitung in den 50er Jahren diese austrug, ein weiterer war Herr Wittig, der künftige Lehrer, der aus Schlesien geflohen war, und ca. 1947 seinen Dienst angetreten hatte.

 

Die Schule war während des Krieges nicht geschlossen gewesen. Doch nach dem Einmarsch der Amerikaner war die frühere Lehrerin aus Angst geflohen. Deshalb unterrichtete Frau Wagenhäuser, aus Obernburg, in der Zeit zwischen der geflohenen Lehrerin und Herrn Wittig. Diese Lehrerin spielte auch die Orgel, als unsere Zeitzeugin getraut wurde.

 

Nahrungsmittelprobleme gab es nur während des Krieges, da die deutschen Behörden „die Kartoffeln aus den Kellern holten". Nach dem Krieg bekamen zwar alle Bürger eine Lebensmittelkarte, brauchten diese aber meistens nicht, da sie auf den Bauernhöfen Milch, Käse, Butter, Fleisch, Kartoffeln und Brot selbst herstellten. Den kleinen Rest mussten sie in der Stadt einkaufen, wenn er nicht in dem kleinen Geschäft neben dem Gasthof, das jetzt nicht mehr existiert, da es unrentabel geworden ist, zu haben war.

 

Einen Schwarzmarkt gab es nicht. Alles was man direkt nach dem Krieg brauchte, bekam man, wenn überhaupt, mit Tauschwaren, vorwiegend Lebensmitteln. Unsere Zeitzeugin musste sogar ein Kalb schlachten, als sie Backsteine für ihren neuen Schweinestall brauchte, die sie in Wörth holen mussten: „Was sollen wir mit dem Geld, gebt uns lieber was zu essen !"

 

Dieser Bericht wurde nach Aussagen von Bewohnern des Ortes geschrieben, die Namen dieser Zeitzeugen werden hier nicht genannt.